Arbeitskreise

Bilder des Nordens in der Populärkultur

Populär ist, was Beachtung findet und sich im Kampf um Aufmerksamkeit (relativ und vorläufig) behaupten kann. Diese Popularität ist über Charts, Rankings, Likes und ähnliche Bewertungsinstrumente messbar. Populäre Bilder bestimmen Haltungen und Bewertungen dem dargestellten Gegenstand gegenüber unabhängig davon, ob und inwieweit sie mit der Realität übereinstimmen, ob und inwieweit sie verknappen, ausschneiden, fokussieren oder hinzu erfinden. Sie sind nicht an Wahrheit, sondern an Wahrhaftigkeit geknüpft: Ob sie authentisch oder plausibel wirken, ist entscheidend, nicht ob sie tatsächlich sind. Dass der „Norden“ seit der Antike als unerschöpfliche Projektionsfläche funktioniert, ist in einer Vielzahl von Publikationen nachgewiesen und in nahezu jeder Hinsicht dokumentiert (vgl. v. a. GRK 515 Imaginatio borealis). Nicht wenige Bilder haben Popularität besessen und in Teilen bis heute bewahrt.

Jedoch ist seit dem Jahr 2000 eine quantitative Zunahme an Bildern festzustellen, die alle bisherigen Bildregime übertrifft. Nicht nur die durch Trends und Moden ausgelösten internationale Popularisierungs- und Adaptionsprozesse haben dazu beigetragen, sondern auch die Erweiterung der Palette an Medien. Durch die Digitalisierung sind nich nur nahezu sämtliche analogen Medienbestände zugänglich(er) geworden, sondern auch die Frequenz, mit der Bilder distribuiert werden, hat sich signifikant erhöht. Dies gilt sowohl für die konventionellen Medien der Literatur (v. a. im Bereich Krimi, Thriller, Historischer Roman, KJL), des Films (Thriller, Horror) und Serien, die eine enorme Resonanz erfahren haben. Ebenso Computerspiele, die an Komplexität und grafischer Überzeugungskraft gewonnen haben sowie besonders populäre Musik, v. a. Heavy Metal in allen Spielarten. Zu diesen sind mit Youtube, Tumblr, Instagram u. a. soziale Medien hinzugekommen, die hinsichtlich ihrer Verbreitungsmöglichkeiten und Speichervolumina alle bisherigen Repräsentationsformen übersteigen. – Ein paradoxes Nebeneinander von wiederstreitenden Bildern, die Licht und Dunkel, Weite und Behaglichkeit, das Drohende und das Verlockende in nie abreißender Frequenz reinszenieren, (gerade) weil sie als Bilder zumeist kaum narrativ gerahmt sind.

Im Interesse unseres Arbeitskreises liegt es, diese populären Bilder auf ihre Funktionen ebenso wie auf ihre Welthaltigkeit zu befragen, Traditionslinien ebenso wie Verschiebungen nach zu verfolgen, aber auch gänzlich neue Aspekte in den Blick zu nehmen.

Kontakt:
Niels Penke (Siegen)
Matthias Teichert (Erlangen/Göttingen)

Digital Humanities in der Skandinavistik

Digital Humanities ist ein Modebegriff, aber was bedeutet der digitale Wandel für die Skandinavistik, und wo können Chancen für das Fach liegen? Eine Antwort darauf zu finden ist nicht einfach, gerade angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, Forschung digital auszurichten und der unterschiedlichen Auffassungen darüber, welche Methoden, Verfahren oder Werkzeuge unter dem Label DH subsumiert werden können.

Ziel dieses AKs ist es, uns gemeinsam anhand einzelner Projekte einen Überblick über den Stand der Digital Humanities in der Skandinavistik zu verschaffen. Wir freuen uns über methodisch ausgerichtete Präsentationen genauso wie über Werkstattberichte aus laufenden Projekten, die den Digital Humanities zugeordnet werden können. Dabei geht es um digitale Editionen ebenso wie um sprachwissenschaftliche Beiträge aus dem Bereich der Computerlinguistik oder Korpuslinguistik, Forschungsansätze auf der Basis von Textminingverfahren oder den Bereich der Fachkommunikation.

Ausgehend von den wissenschaftlichen Fragestellungen sollen in diesem unter Beteiligung des Fachinformationsdienstes Nordeuropa angebotenen AK auch Fragen wie der Umgang mit Norm- und Metadaten, die Langzeitarchivierung sowie die langfristige Verfügbarkeit und Nachnutzbarkeit digitaler Forschungsdaten diskutiert werden.

Kontakt:
Steffen Höder (Kiel)
Ruth Sindt (Kiel)

Erotik des Reisens

Alt kan ske, når man rejser! Både litteratur- og filmhistorien er således fuld af tilfældige møder i fremmende byer, i ventesale, togkupéer, hoteller, skibe osv. Det at fjerne sig fra hverdagens rum og bevæge sig ind i nye og måske usikre (heterotopiske) rum synes at skabe en åbenhed, der også befordrer (realiserede eller ikke-realiserede) erotiske møder – og danner litterært stof. Også i bryllupsrejsen – og i det hele taget, når par rejser – er rejse og erotik sammenknyttet. At rejse er med andre ord ikke kun et spørgsmål om dannelse, afslapning, forretning eller transport, men også om erotisk åbenhed og forandring. Rejsen er en form for ”krise”: Forhold opstår og bryder sammen på rejser. Som motiv favner rejsens erotik både den romantiske getaway, sexturisme og det tilfældige møde. Fra H. C. Andersens hede italienske nætter over Sophus Claussens møde med ”en nydelig ung Person / med nøddebrune Øjne” på Skanderborg Station og erotiske forviklinger på europæiske hoteller hos Henrik Pontoppidan til diverse overskridende oplevelser i Lars von Triers Nymphomaniac-film og nye bøger af eksempelvis Tine Høeg, Vidgis Hjorth, Rasmus Nicolajsen og Karl Ove Knausgård finder man rejsens erotik udfoldet som motiv.

I denne arbejdsgruppe skal vi forsøge at udforske sammenhængen mellen rejse og erotik. Hvad er det, der sker i rejsens rum, som åbner for det erotiske register? Kan man tale om en ikke-stedernes erotik (lufthavne, ventesale etc.)? Er der områder, der i de litterære rejser er særligt erotisk ladede (Sydeuropa, Paris)? Har spændingen ved det erotiske rejsemotiv narratologisk betydning i nogle værker?

Foredrag på tysk, engelsk eller et af de skandinaviske sprog om rejsens erotik i skandinavisk litteratur, film og kultur er meget velkomne.

Kontakt:
Anders Ehlers Dam (Flensburg)

Figuren des Dritten

Vermittler, Boten und Ratgeber, Zauberkundige und Trickster, Rivalen und Parasiten: Sie alle stammen aus dem Kabinett der sogenannten „Figur des Dritten“. Dort, wo Übergänge eine zentrale Rolle spielen, wo sich Polaritäten des Typs Innen/Außen, Kultur/Natur, Eigen/Fremd, Angemessen/Unangemessen bilden oder auflösen, ziehen solche Figuren besonderes Augenmerk auf sich. Doch während z. B. Neuere Literaturwissenschaft, Ethnologie und Geschichtswissenschaft seit einigen Jahren verstärktes Interesse an diesem facettenreichen Konzept bekunden, hat es in den mediävistischen Disziplinen, darunter die Altskandinavistik, bisher wenig Beachtung erfahren. Zu Unrecht, wird doch in altnordischer Literatur regelhaft von Ursprüngen, Grenzen und Liminalität berichtet; Handlungsentwicklungen in der Erzählwelt erscheinen oftmals als Resultat eines dynamischen Wechselspiels dieser Momente.

Ziel unseres geplanten Arbeitskreises ist es, über die Fokussierung dritter Figuren neue Interpretationen vermeintlich bekannter Texte zu erproben. Denkbar sind u. a. Detailinterpretationen spezifischer Figuren in den Sagas oder der mythologischen Überlieferung, Vergleiche bestimmter Typen von „Dritten Figuren“ in größeren Textkorpora oder narratologische Analysen charakterisieren Erzählstrukturen. Von der Zusammenführung verschiedener Lesarten von „Figuren des Dritten“ erhoffen wir uns einen vertieften Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen dieses neuen Paradigmas der Kulturwissenschaften (Albrecht Koschorke) für unser Verständnis mittelalterlicher Literatur. Schließlich soll damit auch ein Beitrag zur andauernden Debatte um den Nutzen von Literaturtheorie in der Mediävistik geleistet werden.

Kontakt:
Anita Sauckel (Reykjavik)
Jan Alexander van Nahl (Reykjavik)

Privilegien und Prekarität

I denna tvärvetenskapliga Arbeitskreis ska vi ta oss an frågor kring regionala och globala asymmetrier, med utgångspunkt i forskningsprojektet ”Skandinaviske fortellinger om skyld og privilegier i en globaliseringstid” vid Universitetet i Oslo. Vi är intresserade av manifestationer och förhandlingar av privilegierade och prekära positioner i Norden. Vilka affektiva reaktioner följer med privilegium och prekaritet, och vilka sociala kategorier är relevanta? Möjliga teman skulle kunna omfatta koloniala och postkoloniala relationer, migration och flykt i kontext av de nordiska välfärdssaterna, (en kritik av) kapitalism, sexism, rasism, men även, ur ett ekokritiskt perspektiv, frågor rörande miljörättvisa och miljöförändringars orsaker och konsekvenser.

Vi ser fram emot bidrag om alla konstarter, medier, sociala och kulturella fenomen. Alltefter antal och innehåll av bidragen kan vi tänka oss att organisera arbetskretsen som panelsamtal med kortare bidrag och längre diskussionstid. Språket är skandinaviska, eventuellt engelska.

Mer om projektet: http://www.hf.uio.no/forskning/tema/scanguilt-skandinaviske-fortellinger-om-skyld-og-privilegier-i-en-globaliseringstid/

Kontakt:
Lill-Ann Körber (Oslo)
Elisabeth Oxfeldt (Oslo)
Kristian Lødemel Sandberg (Oslo)

Sprachdidaktik und Zweitspracherwerb

Der Erwerb skandinavischer Sprachkompetenz ist in der Skandinavistik ein zentrales Element, einerseits als eigenständiges Studienziel, andererseits aber auch als essentielle Voraussetzung für jede fachwissenschaftliche Vertiefung. In den nordischen Ländern selbst ist in den vergangenen Jahren außerdem der Zweitspracherwerb stärker als zuvor in den Fokus von Ausbildung und Forschung gerückt, wobei die massive Zunahme der Immigration besonders in Schweden das Interesse für diesen Bereich noch intensiviert. Dabei ergeben sich in der Zweit- und Fremdsprachdidaktik immer stärker auch Forderungen nach einer linguistischen Fundierung, einer kompetenzorientierten Modellierung sowie einer evidenzbasierte Entwicklung und Evaluation von Sprachunterricht und Spracherwerb.

Der Arbeitskreis widmet sich diesem Thema aus sprachdidaktischer Perspektive. Dabei bringt er theoretische Modellbildung, empirische Untersuchungen und unterrichtspraktische Erfahrungen zusammen. Eingeladen sind deshalb sowohl Wissenschaftler, die über aktuelle Forschung referieren, als auch Interessierte mit unterrichtspraktischer Erfahrung (wie Lektoren und Lehrer), die über aktuelle Probleme und best practices berichten. Relevante Aspekte sind etwa

  • der skandinavische Fremdsprachunterricht in der deutschsprachigen Skandinavistik;
  • der Unterricht in skandinavischen Zweitsprachen in den nordischen Ländern;
  • der nachbarsprachliche Unterricht in den nordischen Ländern sowie in Schleswig-Holstein;
  • andere fremdsprachdidaktische Bereiche mit skandinavischem Bezug.

Kontakt:
Steffen Höder (Kiel)
Lisa Tulaja (Kiel)

Sprache jenseits der Logik? – Darstellungsformen des Undarstellbaren

Gegenstand dieses Arbeitskreises sind literarische Texte aus dem skandinavischen Raum, die mithilfe paradoxer Ausdrucksmittel versuchen, auf etwas zu verweisen, was sich der begrifflichen Sprache entzieht und damit in dieser als etwas Unsagbares/Undarstellbares erscheint.

Literarische Schreibweisen, die sich einer „Sprache jenseits der Logik“ bedienen – eine Formulierung, die Karin Boye in ihrem gleichnamigen Essay aus dem Jahr 1932 geprägt hat – Schreibweisen also, die mit Hilfe verschiedener Ausdrucksmittel, insbesondere aber durch Formen des Paradoxen, etwas erfahrbar machen, was sich der begrifflich-logischen Sprache entzieht, gehen auf eine lange gesamteuropäische Tradition zurück, die sich von der Antike bis in die heutige Zeit fortschreibt und sich in Skandinavien insbesondere seit dem 18. Jahrhundert manifestiert. Dies beginnt mit der Darstellung pietistischer Gotteserfahrungen (z.B. Johannes Ewald), dem Ausdruck eines ,Absoluten‘ in der Universalromantik (Oehlenschläger, Atterbom, Almqvist), der Verschachtelung von Pseudonymen, Genres, Bildern und Stimmen in Kierkegaards Werk, die umkreisen, was sich dem Begriff verweigert, setzt sich fort mit frühen dekonstruktivistischen Schreibweisen des Realismus (z.B. Almqvist) über die literarische Artikulation des Verlusts metaphysischer Sinnkonzeptionen in der Moderne (z.B. Karen Blixen, Edith Södergran, Tarjei Vesaas) bis hin zu postmodernen Verfahrensweisen, mit denen eine Suche nach neuen metaphysischen Gehalten wieder aufgenommen wird (z.B. Jan Kjærstad, Hanne Ørstavik, Solvej Balle, Lars Jakobson). Um diese Tradition genauer zu beleuchten, liegt es nahe, philosophische und ästhetische Konzepte der europäischen Denktradition (Plotin, Mystik, Baudelaire, Adorno, Lyotard, Jaspers etc.), die sich theoretisch mit Fragen des Unbeschreibbaren, Inkommensurablen, Undarstellbaren, Paradoxen etc. auseinandersetzen, mit in den Blick zu nehmen und so die literarischen Verfahrensweisen historisch angemessen zu kontextualisieren.

Ziel unseres Arbeitskreises ist es, anhand von exemplarischen Texten aus allen in Frage kommenden Epochen verschiedene literarische Verfahrensweisen zu untersuchen, die im Kontext dieser Tradition zu verorten sind und deren wesentliche Funktion darin besteht, etwas zum Ausdruck zu bringen, das mit den Mitteln einer diskursiven Sprache nicht erfassbar ist. Beispiele für solche Verfahrensweisen wären:

  • paradoxe Ausdrucksmittel
  • Bildlichkeit
  • Subversions- und Dekonstruktionsstrategien
  • minimalistische Schreibweisen
  • fragmentarisches Erzählen
  • multiperspektivisches Erzählen
  • Elemente fantastischen Erzählens
  • etc.

Neben der Analyse der Funktion und Wirkungsweise solcher Verfahrensweisen und Ausdrucksmittel liegt auch die Auseinandersetzung mit den philosophischen und ästhetischen Theorien der europäischen Denktradition im Interesse unseres Arbeitskreises. Zu fragen wäre also u. a., inwiefern sich die skandinavischen Texte mithilfe verschiedener ästhetischer und philosophischer Konzepte der europäischen Tradition erläutern lassen.

Kontakt:
Julia Anrecht (Kiel)
Henrike Fürstenberg (Kiel)

Sprachwissenschaft

Wie auf früheren Arbeitstagungen soll dieser Arbeitskreis ein Forum für die Diskussion aktueller sprachwissenschaftlicher Forschung vor allem aus dem deutschsprachigen Raum bieten, die außerhalb des thematischen Rahmens der übrigen Arbeitskreise steht.

Dabei sind Beiträge aus allen Bereichen der Sprachwissenschaft willkommen, gerade auch Beiträge mit Bezug zu aktuellen Forschungs- und Qualifikationsvorhaben.

Kontakt:
Steffen Höder (Kiel)
Christer Lindqvist (Greifswald)

Wikinger und Wikingfahrten

In diesem Arbeitskreis sollen die Charakterisierung von Wikingern und die Beschreibung ihrer Wikingfahrten in den verschiedenen wikingerzeitlichen und mittelalterlichen Quellen Skandinaviens (Runeninschriften, Skaldendichtung, Sagaliteratur) einander vergleichend gegenübergestellt werden. Folgende Themen werden im Fokus stehen:

  1. Fahrten nach Osten
  2. Fahrten nach Westen
  3. der Wikinger und sein „Image“
  4. Wikingerzüge und Schifffahrt

In den Themenbereichen 1) und 2) gilt es, die zeitgenössischen Quellen, d. h. Runeninschriften und Skaldendichtung der Wikingerzeit, komparatistisch zu betrachten, wobei sowohl die historischen Ereignisse, wie z. B. die Eroberung Englands und der sich daraus ergebende kulturelle Kontakt, als auch die Darstellung der Kriegszüge und ihrer Beteiligten im Blickpunkt stehen. Im Themenbereich 3) dagegen steht die mittelalterliche Rezeption im Vordergrund. Bereits aus den wikingerzeitlichen Quellen lässt sich auf ein heterogenes „Image“ des Wikingers zu dieser Zeit in Skandinavien schließen. Daher soll hier der Frage nachgegangen werden, welches Bild (bzw. Bilder) des Wikingers in den verschiedenen Gattungen der mittelalterlichen Literatur zu finden ist (sind) und evtl. können auftretende Beeinflussungen der Gattungen untereinander herausgearbeitet werden. Themenbereich 4) schließlich konzentriert sich auf die bildlichen Darstellungen und literarischen Beschreibungen wikingerzeitlicher Schiffe und Schifffahrten.

Kontakt:
Vivian Busch (Kiel)
Jana Krüger (Kiel)
Edith Marold (Kiel)