Sprachwissenschaft

Raum 106b

Beschreibung

Wie auf früheren Arbeitstagungen soll dieser Arbeitskreis ein Forum für die Diskussion aktueller sprachwissenschaftlicher Forschung vor allem aus dem deutschsprachigen Raum bieten, die außerhalb des thematischen Rahmens der übrigen Arbeitskreise steht.

Dabei sind Beiträge aus allen Bereichen der Sprachwissenschaft willkommen, gerade auch Beiträge mit Bezug zu aktuellen Forschungs- und Qualifikationsvorhaben.

Kontakt:
Steffen Höder (Kiel)
Christer Lindqvist (Greifswald)

Bestandsaufnahme des Südschleswigdänischen aus dialektologischer Perspektive. Forschungsdesign und erste Ergebnisse

Sabrina Schütz (Kiel)

Im norddeutschen Sprachraum hat sich innerhalb der dänischen Minderheit eine regionale Varietät entwickelt, die aus sozio-, ethno- und kontaktlinguistischer Perspektive diskutiert wird: das Südschleswigdänische. Geprägt von der Mehrsprachigkeit aller Sprecher und den spezifischen sprachsozialen Eigenschaften spiegelt das Südschleswigdänische in seinen strukturellen Eigenheiten die komplexe Situation einer langjährigen Sprachkontaktsituation wider. Die charakteristischen Strukturen werden in der bisherigen Forschungsliteratur zumeist als norm- bzw. standarddivergentes Dänisch deklariert. Diese Annahmen beruhen auf anekdotischem Sprachmaterial (u. a. Braunmüller 1991a, 1991b, 1995; Christophersen 1985; Pedersen 2000) bzw. auf konkreten Daten zum bilingualen Sprachgebrauch von Jugendlichen (u. a. Kühl 2008). Eine empirisch fundierte Analyse sprachlicher Strukturen bei erwachsenen Sprechern wurde bisher nicht durchgeführt, jedoch seit den Anfängen der Forschung zum Südschleswigdänischen (u. a. Braunmüller 1996) und auch nach wie vor (Kühl 2014) gefordert.

Mein Projekt zielt darauf ab, das tatsächliche und heterogene sprachliche System des Südschleswigdänischen auf Basis einer quantitativen Untersuchung zu erfassen. Hierfür wird zunächst ein kontaktlinguistisch plausibles hypothetisches System des Südschleswigdänischen entworfen, das unter Verwendung des anekdotischen Sprachmaterials aus der Forschungsliteratur sowie einer kontrastiven Analyse der beteiligten Sprachen – d.h. Standard- bzw. Norddeutsch und Standarddänisch – aus diasystematischer Perspektive (u. a. Höder 2011, 2012, 2014) entwickelt wird. Auf Basis dieses hypothetischen Systems soll eine klassische Fragebogenerhebung, die in Anlehnung an die Projekte Syntax hessischer Dialekte (SyHD 2016) und Plattdüütsch hüüt (u. a. Elmentaler 2012) entwickelt wird, Aufschlüsse über tatsächlich verwendete südschleswigdänische Strukturen geben.

Der Vortrag konzentriert sich auf das Forschungsdesign des Projekts und präsentiert erste konkrete Zwischenergebnisse ausgewählter Variablen der laufenden Fragebogenerhebung. Dabei sollen auch Rückschlüsse dahingehend gezogen werden, wie sich diese ersten Ergebnisse zu dem hypothetischen System des Südschleswigdänischen verhalten und inwieweit es sinnvoll ist, das tatsächlich verwendete Südschleswigdänisch als Kontinuum zwischen dem standarddänischen und dem konstruierten System einzuordnen.

Literatur

Braunmüller, Kurt. 1991a. „Sydslesvigdansk – et blandingssprog?“. Mål og Mæle 13 (4), 24–29.
Braunmüller, Kurt. 1991b. „Sydslesvigdansk – et interferenssprog?“. In: Mette Kunøe und E. Vive Larsen (Hrsg.), 3. Møde om Udforskningen af det Danske Sprog. Aarhus: Aarhus Universitet, 55–62.
Braunmüller, Kurt. 1995. „Südschleswigdänisch – eine Mischsprache?“. In: Kurt Braunmüller (Hrsg.), Beiträge zur skandinavischen Linguistik. Oslo: Novus, 144–153.
Braunmüller, Kurt. 1996. „Sydslesvigdansk – et regionalsprog?“ In: Institut for dansk Dialektforskning (Hrsg.), Talesprogsvariation og sprogkontakt. Til Inger Ejskær på halvfjerdsårsdagen den 20. maj 1996. Kopenhagen: C. A. Reitzel, 33–44.
Christophersen, Hans. 1985. Det danske sprog i Sydslesvig. Birkerød: Rostras Forlag.
Elmentaler, Michael. 2012. „Plattdüütsch hüüt. Erhebungen zur niederdeutschen Syntax in Schleswig-Holstein“. In: Robert Langhanke et al. (Hrsg.), Niederdeutsche Syntax. Hildesheim: Olms (Germanistische Linguistik 220), 137–156.
Höder, Steffen. 2011. „Niederdeutsch und Norddeutsch – ein Fall von Diasystematisierung“. Niederdeutsches Jahrbuch 134, 113–136.
Höder, Steffen. 2012. „Multilingual constructions: a diasystematic approach to common structures“. In: Kurt Braunmüller und Christoph Gabriel (Hrsg.), Multilingual Individuals and multilingual Societies (Hamburg studies on multilingualism 13), Amsterdam/Philadelphia: Benjamins, 241–257.
Höder, Steffen. 2014. „Constructing diasystems: Grammatical organisation in bilingual groups“. In: Tor A. Åfarli und Brit Maehlum (Hrsg.), The Sociolinguistics of Grammar (Studies in Language Companion Series 154), Amsterdam: Benjamins, 137–152.
Kühl, Karoline H. 2008. Bilingualer Sprachgebrauch bei Jugendlichen im deutsch-dänischen Grenzland. Hamburg: Kovač.
Kühl, Karoline H. 2014. „South Schleswig Danish. Caught between privileges and disregard“. In: Rudolf Muhr et al. (Hrsg.), Pluricentric languages worldwide and pluricentric theory. Wien u. a.: Peter Lang, 2014.
Pedersen, Karen Margrethe. 2000. Dansk sprog i Sydslesvig. Det danske sprogs status inden for det danske mindretal i Sydslesvig. 2 Bände. Aabenraa: Institut for grænseregionsforskning.
SyHD. 2016. „Projektbeschreibung“ (http://www.syhd.info/ueber-das-projekt/projektbe-schreibung; Stand vom 25.09.2016).

Verben in der allgemeinen Wissenschaftssprache des Färöischen

Christer Lindqvist (Greifswald)

Traditionelle Fachsprachenforschung konzentriert sich häufig auf Benennungen für neue Objekte und Phänomene. Oft geht es hier um Ersatzwörter (z.B. fär. ravhúsi ‚Akkumulator‘) für direkte Entlehnungen (fär. akkumulator(ur)).

Dagegen bleibt der Wandel vor allem im fachunspezifischen verbalen Bereich vielfach unbemerkt, obwohl dieser für eine funktionierende Wissenschaftssprache konstitutiv ist. Eine solche Wortschatzerweiterung ist im Färöischen aufgrund der sprachpolitischen Situation erst ab dem 20. Jh. festzustellen. Sie erfolgt vielfach durch die Herausbildung von Sekundärpolysemen. Ausgangspunkt sind häufig allgemeine Verben mit konkreter Bedeutung (1), die in der Wissenschaftssprache um unterschiedliche übertragene Bedeutungen erweitert werden (2–6):

(1) hon vísti mær vegin ‚sie zeigte mir den Weg‘
(2) 1. talva vísir longd og aldur … ‚Abbildung 1 zeigt Länge und Alter …‘
(3) eftirkannan tykist at vísa, at … ‚eine Nachuntersuchung scheint zu zeigen, dass …‘
(4) kanningar hansara vístu, at … ‚seine Untersuchungen zeigten, dass …‘
(5) gravfundir vísa … ‚Grabfunde zeigen …‘
(6) hann vísir, at har hevur verið kirkja ‚er zeigt/weist nach, dass hier einst eine Kirche stand‘

Die Entstehung dieser Wissenschaftssprache ist zugleich eng mit ihrem Erwerb verbunden. Dieser Vorgang ist nicht durch nur das Dänische, welches lange die H-Varietät auf den Färöern war, sondern auch durch das Isländische, das oftmals als Vorbild für eine puristische Sprachpolitik diente, sowie durch das Englische bedingt. Möglicherweise sind einige Neuerungen übersetzungsinduziert.

Mit diesem Beitrag zum Arbeitskreis soll der hier angesprochene Problemkomplex anhand einiger Beispiele vorgestellt werden.

Weltansichten, Kulturbrillen und Stereotype in forschungsbasierten Ratgebermaterialien für die deutsch-dänische Kommunikation in der Praxis

Erla Hallsteinsdóttir (Odense)

Das EU-Projekt „Nationale Stereotype und Marketingstrategien in der deutsch-dänischen interkulturellen Kommunikation“ (SMiK, www.stereotypenprojekt.eu), das 2012-2015 unter Leitung von Jörg Kilian und Erla Hallsteinsdóttir durchgeführt wurde, hatte die Erfassung und Beschreibung der aktuellen deutsch-dänischen Stereotype zum Ziel. Ein zentrales Anliegen des SMiK-Projekts war die Verankerung der Ergebnisse aus dem Projekt in der Praxis durch die Nutzbarmachung der Forschungsergebnisse für den Fremdsprachenunterricht und für die interkulturelle Kommunikation.

In dem Vortrag wird der theoretisch-methodische Ansatz vorgestellt, der im SMiK-Projekt für die Ausarbeitung von Ratgebermaterialien für die deutsch-dänische Kommunikation entwickelt wurde. Zuerst werden die theoretischen Grundlagen des für die Ratgebermaterialien entwickelten „Kulturbrillen“-Konzepts vorgestellt und eine Modellierung der relevanten Variablen in der mehrkulturellen Kommunikation präsentiert, mit der eine Einordnung von Kommunikationssituationen in den sprachlichen und soziokulturellen Kontext vorgenommen wird. Anhand von konkreten Beispielen wird dann das aus der didaktischen Sprachkritik übernommene und im Projekt weiterentwickelte Analyseverfahren vorgestellt, das für die Analyse und Interpretation der empirischen Daten eingesetzt wurde.

In einer abschließenden Diskussion soll ein Einblick in die deutsch-dänische Kommunikation in der Praxis gewährt werden. Anhand konkreter Beispiele aus der Arbeit im EU-Projekt kultKIT (www.kultkit.eu) soll der potenzielle Einfluss von stereotypen Vorstellungen auf das Sprach- und Kulturverständnis diskutiert und weitere Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation thematisiert werden, die einen Einfluss auf die Zusammenarbeit in der deutsch-dänischen Grenzregion haben können.

Das Südschleswiger Südjütisch im Spiegel der Wenker-Daten

Steffen Höder (Kiel)

Die deutsche Dialektgeographie hat den Arbeiten Georg Wenkers für seinen Sprachatlas des Deutschen Reichs (ab den 1870ern) viel zu verdanken, in denen die dialektale Variation erstmals systematisch flächendeckend untersucht wurde. Wenkers Atlas, der seit einigen Jahren einschließlich der zugrunde liegenden Fragebogendaten in einer digitalen Version publiziert ist (Schmidt & Herrgen 2001–2009), bildet bei allen methodologischen Problemen bis heute eine wichtige Datenbasis für die historische dialektologische Forschung in der Germanistik. Übersehen wird dabei zumeist jedoch, dass der Wenker-Atlas entsprechend seiner ursprünglichen Konzeption nicht nur deutsche Dialekte, sondern auch Varietäten anderer Sprachen dokumentiert, die Ende des 19. Jahrhunderts auf deutschem Territorium gesprochen wurden.

Dazu gehört auch das Dänische in Gestalt der südjütischen Dialekte, deren Verbreitungsgebiet damals auch noch eine Region im Nordwesten des heutigen Südschleswig umfasste (heute im Norden des Landesteils Schleswig, damals in der Mitte des alten Herzogtums Schleswig gelegen). Es liegen insgesamt 297 südjütische Wenker-Bögen vor, davon 26 Bögen, die das Südschleswiger Südjütisch dokumentieren. Von der dänischen Dialektologie sind diese Daten – auch weil sie lange kaum zugänglich waren – erst spät und ganz überwiegend skeptisch bis ablehnend rezipiert worden (Ringgaard 1964, Bjerrum 1976). Argumentiert wurde im Wesentlichen, die Daten gäben durch die auf das Deutsche gemünzte Erhebungsmethode nicht den authentischen Dialektstand wieder, und es lägen ohnehin verlässlichere Beschreibungen südjütischer Dialekte vor. Im Gegensatz dazu können jüngere Untersuchungen (Höder 2016, Höder & Winter i. Vorb.) zeigen, dass zumindest die Südschleswiger Daten durchaus als valide betrachtet werden müssen und darüber hinaus aus kontaktlinguistischer Perspektive plausibilisiert werden können. Der Vortrag gibt einen Überblick über Möglichkeiten und Grenzen des Datenbestandes aus skandinavistischer Perspektive.

Literatur

Bjerrum, Marie. 1976. „Wenkers 40 sætninger på Fjoldemål 1880“. Danske folkemål 21, 19–58.
Höder, Steffen. 2016. „Schlechte Sprache, schlechte Daten – oder was? Südschleswiger Jütisch in deutschen Dialekterhebungen des 19. Jahrhunderts“. Gastvortrag, Europa-Universität Flensburg, 13. 12. 2016.
Höder, Steffen & Christoph Winter. i. Vorb. „Deutsches im Südjütischen, Südjütisch im deutschen Dialektatlas. Zur Plausibilität der südjütischen Wenker-Materialien“ [Arbeitstitel]. In: Jürg Fleischer u. a. (Hgg.), Minderheitensprachen und Sprachminder­heiten. Deutsch und seine Kontaktsprachen in der Dokumentation der Wenker-Materialien, Hildesheim/Zürich/New York: Olms.
Ringgaard, K[ristian]. 1964. „Wenkers spørgelister fra Sønderjylland“. Sprog og kultur 24, 29–44.
Schmidt, Jürgen Erich & Joachim Herrgen (Hgg.). 2001–2009. Digitaler Wenker-Atlas (DiWA). Bearbeitet von Alfred Lameli [u. a.]. Marburg: Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas.

Konstruktionsgrammatik und Codeswitching

Aileen Urban (Kiel)

Der noch recht junge Theorienkomplex der Konstruktionsgrammatik (KxG) weitet sein Forschungsfeld stetig auf weitere linguistische Gegenstandsbereiche aus. In diese Entwicklung kann mein Dissertationsprojekt Konstruktionsgrammatik und Codeswitching eingeordnet werden: Forschungsziel des Projekts ist es, Phänomene des Codeswitching (CS) aus konstruktionsgrammatischer Perspektive zu modellieren. Mein Projekt stößt mit diesem Vorhaben in eine Lücke in der konstruktionsgrammatischen Forschung. Konstruktionsgrammatische
Beiträge zur sprachlichen Variation und zur Kontaktlinguistik sind noch
recht selten (vgl. z. B. Hilpert 2014; Hollmann 2013; Höder 2011, 2012, 2014a und 2014b; Östman 2005; Östman und Trousdale 2013 und Wasserscheidt 2014, 2016).

Die neuere Kontaktlinguistik geht davon aus, dass Mehrsprachigkeit der Normalfall ist, und psycholinguistische Untersuchungen betonen, dass mehrsprachige Sprecher ihre Sprachen in der Kognition nicht getrennt voneinander verarbeiten (vgl. z. B. Grosjean 1989, 2008; Bialystok et al. 2009; Kroll, Bobb und Hoshino 2014 und Kroll et al. 2015). Diese Einschätzungen werden mittlerweile auch in der CS-Forschung akzeptiert, ohne dass allerdings die theoretischen und praktischen Konsequenzen in der Modellentwicklung berücksichtigt werden (Gardner-Chloros 2009). In meinem Projekt wird das Modell der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik (DKxG) nach Höder (2011, 2012, 2014a und 2014b) herangezogen und an die CS-Phänomene angepasst. Dieses Modell berücksichtigt die oben geschilderten neuen Einschätzungen.

Vor allem die Analyse des Sprachkontakts zwischen den skandinavischen Sprachen untereinander und Kontakt zwischen diesen und Sprachen, mit denen sie näher verwandt sind (z. B. Englisch oder Deutsch), lohnt sich zur Erprobung eines neuen Modells. So war es die strukturelle Ähnlichkeit der am Sprachkontakt beteiligten Sprachen, die die Evidenz der bisherigen Modelle auf die Probe stellte (vgl. Höder 2012: 244). Ein neuer Ansatz modelliert aus einer neuen Perspektive könnte sich einigen Problemen der CS-Forschung auf innovative Weise stellen.

Als Projekt der skandinavistischen Linguistik wird somit zum einen ein Beitrag zur Erforschung der interskandinavischen Kommunikation unter der Berücksichtigung der oben genannten theoretischen Prämissen geleistet. Im Vordergrund soll dabei vor allem die Semikommunikation stehen. Auf dieses Phänomen wird in einer längeren Forschungstradition in der skandinavischen bzw. skandinavistischen Linguistik rekurriert (vgl. Braunmüller und Zeevaert 2001). Durch die konstruktionsgrammatischen Perspektive ergibt sich so möglicherweise ein neuer Zugang zur Semikommunikation bzw. zu verwandten Kontaktphänomenen wie z. B. CS. Zum anderen werden die Daten aktueller Projekte berücksichtigt, die die Sprachen skandinavischer Einwanderer in den USA dokumentieren (vgl. NorAmDiaSyn und Svenskan i Amerika, zu dem es noch kein Korpus gibt).

Eine der zentralen Fragestellungen zur Entwicklung eines neuen Modells zum CS ist diejenige nach der Einsetzbarkeit des Modells. Gerade die Frage nach einem universell einsetzbaren Modell für CS-Phänomene hat in der CS-Forschung Tradition – vor allem, wenn es um die Beschreibung der Formen von CS geht (vgl. Havermeier 2015: 17). Bisherige Bemühungen endeten allerdings in einer Sackgasse, vermutlich, weil sie von den CS-Phänomenen ausgingen und nicht von der kognitiven Leistung, die jene hervorbringt. So lassen sich die Modelle teilweise nur sehr beschränkt auf neue Kontexte anwenden (vgl. hierzu z. B. die Ansätze von Poplack (1980) und Myers-Scotton (2002)).

Anhand eines Prototyps des innerhalb der DKxG entwickelten Modells werden unterschiedliche CS-Phänomene diskutiert – auch unterschiedlicher Kontaktsituationen. Dabei soll vor allem die Frage danach im Vordergrund stehen, ob ein Modell ausreicht, um die verschiedenen Typen und Formen von CS zu beschreiben. Aus konstruktionsgrammatischer Perspektive wird sich dabei eine neue Herangehensweise ergeben.

Literatur

Bialystok, Ellen et al. (2009): „Bilingual minds“. Psychological science in the public interest, 10, 89–129.
Braunmüller, Kurt und Ludger Zeevaert (2001): Semikommunikation, rezeptive Mehrsprachigkeit und verwandte Phänomene. Eine bibliographische Bestandsaufnahme. Hamburg: Univ. Hamburg, Sonderforschungsbereich 538 Mehrsprachigkeit (Arbeiten zur Mehrsprachigkeit, 19).
Gardner-Chloros, Penelope (2009): Code-switching. Cambridge u.a.: Cambridge Univ. Press.
Grosjean, François (1989): „Neurolinguists, Beware! The Bilingual Is Not Two Monolinguals in One Person“. Brain and Language, 36, 3–15.
Grosjean, François (2008): Studying Bilinguals. Oxford: Oxford Univ. Press.
Havermeier, Heike (2015): Deutsch-schwedisches Codeswitching an der internationalen Universität. Göteborg: Institutionen för språk och litteraturer, Göteborgs universitet.
Hilpert, Martin (2014): Construction Grammar and its Application to English. Edinburgh: Edinburgh Univ. Press.
Höder, Steffen (2011): „Niederdeutsch und Norddeutsch – ein Fall von Diasystematisierung“. Niederdeutsches Jahrbuch, 134, 113–136.
Höder, Steffen (2012): „Multilingual Constructions. A Diasystematic Approach to Common Structures“. In: Kurt Braunmüller und Christoph Gabriel (Hrsg.): Multilingual Individuals and Multilingual Societies. (Hamburg studies on multilingualism (HSM) 13), Amsterdam/Philadelphia: Benjamins, 241–257.
Höder, Steffen (2014a): „Constructing Diasystems. Grammatical Organisation in Bilingual Groups“. In: Tor A. Åfarli und Brit Mæhlum (Hrsg.): The Sociolinguistics of Grammar. (Studies in Language Companion Series 154), Amsterdam/Philadelphia: Benjamins, 137–152.
Höder, Steffen (2014b): „Phonological Elements in Diasystematic Construction Grammar“. Constructions and Frames, 6, 202–231.
Hollmann, Willem B. (2013): „Construction in Cognitive Sociolinguistics“. In: Thomas Hoffmann und Graeme Trousdale (Hrsg.): The Oxford handbook of construction grammar. Oxford/New York: Oxford Univ. Press, 491–509.
Kroll, Judith F., Susan C. Bobb und Noriko Hoshino (2014): „Two Languages in Mind: Bilingualism as a Tool to Investigate Language, Cognition, and the Brain“. Current directions in psychological science, 23, 159–163.
Kroll, Judith F. et al. (2015): „Bilingualism, mind and brain“. Annual review of linguistics, 1, 377–394.
Myers-Scotton, Carol (2002): Contact Linguistics. Bilingual Encounters and Grammatical Outcomes. Oxford: Oxford Univ. Press.
NorAmDiaSyn: NorAmDiaSyn – Norsk i Amerika. http://www.tekstlab.uio.no/nota/NorAmDiaSyn/i.
Östman, Jan-Ola (2005): „Construction Discourse. A prolegomenon“. In: Jan-Ola Östman und Mirjam Fried (Hrsg.): Construction Grammar. Cognitive grounding and theoretical extensions. Amsterdam/Philadelphia: Benjamins, 121–144.
Östman, Jan-Ola und Graeme Trousdale (2013): „Dialects, Discourse and Construction Grammar“. In: Thomas Hoffmann und Graeme Trousdale (Hrsg.): The Oxford Handbook of Construction Grammar. Oxford: Oxford Univ. Press, 476–490.
Poplack, Shana (1980): „Sometimes I’ll start a sentence in Spanish y termino en español. Toward a typology of code-switching“. Linguistics, 18, 581–618.
Wasserscheidt, Philip (2014): „Constructions do not cross Languages. On cross-linguistic generalization of constructions“. Constructions and Frames, 6, 305–337.
Wasserscheidt, Philip (2016): Bilinguales Sprechen. Ein konstruktionsgrammatischer Ansatz. Berlin: Freie Universität Berlin.

Tað gleðir meg, at væl varð tikið ímóti pitsuni (pizza’ini). Was nicht passt, wird passend gemacht? – Zur Integration nicht-nativer Nomina im Färöischen

Laura Zieseler (Greifswald)

Als inselnordische Sprache verfügt das Färöische über komplexe nominale
Flexionsparadigmen. Morphologisch enkodiert werden Genus, Numerus, Kasus und Definitheit. Bei direkten Entlehnungen führt diese Komplexität zu einem entsprechend vielschichtigen Integrationsprozess. In früheren Studien zum färöischen Sprachkontakt wurden mit Blick auf ihre Lautstruktur oder Schreibung besonders problematische Lexeme bisher nur am Rande behandelt. Viele Lexeme blieben gar unbeachtet, weil lediglich vor allem traditionelle Datengrundlagen (Printmedien, Literatur, Interviews) herangezogen wurden, wohingegen die computervermittelte Kommunikation bisher gänzlich außer Acht geblieben ist.

So wurde festgestellt, dass bestimmte auf vokalischen Phonemen und/oder Graphemen endende Nomina in geschriebener Form unflektiert blieben, obschon entsprechende Flexionsformen durchaus mündlich vorkommen. Nachfolgend einige Beispiele aus dem Kontext der computervermittelten Kommunikation (1–4) sowie aus den Printmedien (5):

(1) Ja, tað gleðir meg, at væl varð tikið ímóti pitsuni (pizza’ini) hjá mammu míni. ‚Ja, es freut mich, dass die Pizza(F.Sg.Dat.Def.) meiner Mama gut angekommen ist‘
(2) fyri inngjalding ella flyting til føroyskar kontur ‚für Einzahlung oder Überweisung auf färöische Konten(F.Pl.Akk.)‘
(3) sum flyttur pengar úr landskassanum í sínar egnu kontoðir ‚die/der Geld aus der Landeskasse auf ihre/seine eigenen Konten(F.Pl.Akk.) überweist‘
(4) frá einum amerikanskum ‚cowboyði‘ ‚von einem amerikanischem ‚Cowboy'(M./N.Sg.Dat.)‘
(5) árliga regattaðin er vorðin fólkaogn ‚die jährliche Regatta(F.Sg.Nom.Def.) ist zum Volkseigentum geworden‘

Tendenziell ist, wie in (1) zu sehen, eine Entwicklung weg vom für das Färöische typischen synthetischen hin zu einem mehr an das Dänische erinnernden, agglutinierenden Flexionsmuster zu beobachten. Auch finden sich neben dem erwartbaren kontur (2) nahezu genauso häufig Formen wie in (3), mit den Varianten kontoir, konto’ir, ebenso tema’ini, temaini, temaðini neben dem vom Wörterbuch vorgegebenen temuni. Zudem ist die oftmals festzustellende Markierung der Morphemgrenzen mittels des Graphems <ð> auffällig (3, 4),
die sich offensichtlich nicht nur auf den Sprachgebrauch im Netz beschränkt (5).

Die CP-Peripherie in norwegischen Vergleichskonstruktionen

Julia Bacskai-Atkari (Potsdam)

Mein Vortrag untersucht die CP-Peripherie in eingebetteten Gradsätzen im Norwegischen (Informanten aus Rogaland und Vest-Agder), unter Verwendung eines minimalistischen Modells. Insbesondere werden die Unterschiede zwischen Gradäquativen, (1) und (2), und Komparativen, (3) und (4), diskutiert:

(1) Maria er så gammel som (??/* hvor gammel) Peter var i fjor.
Maria ist so alt wie wie.ADV alt Peter war letztes Jahr
‚Maria ist so alt wie Peter war letztes Jahr.‘
(2) Katten er så feit som hvor vid kattedøra er.
die.Katze ist so fett wie wie.ADV breit die.Katzenklappe ist
‚Die Katze ist so dick wie die Katzenklappe breit ist.‘
(3) Maria er eldr enn (% hvor gammel) Peter var i fjor.
Maria ist älter als wie.ADV alt Peter war letztes Jahr
‚Maria ist älter als Peter war letztes Jahr.‘
(4) Katten er feitere enn hvor vid kattedøra er.
die.Katze ist fetter als wie.ADV breit die.Katzenklappe ist
‚Die Katze ist dicker als die Katzenklappe breit ist.‘

Wie gezeigt, werden Gradäquativen durch den Komplementierer som und Komparative durch den Komplementierer enn eingeleitet. Ein overter Gradoperator (hvor) kann mit einer lexikalischen AP ebenfalls auftreten: Ich nehme an, dass die CP in diesen Fällen gespalten ist und der Komplementierer im oberen C-Kopf sitzt, während der Operator sich zum Spezifikator der unteren CP bewegt.

Ähnliche Konstruktionen sind auch im Englischen dialektal verfügbar, jedoch gibt es keine Unterschiede bezüglich der Akzeptabilität zwischen Äquativen und Komparativen, und zwischen kontrastiven und nichtkontrastiven APs: Daher ist how in (1)–(4) einsetzbar. Andere Sprachen, in denen die overte Verdoppelung von Komplementierer + Operator möglich ist, weisen ebenfalls ein symmetrisches Muster auf (siehe die sprachvergleichende Analyse von Bacskai-Atkari 2016).

Im Norwegischen gibt es jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Konstruktionen: In Äquativen tritt der Operator nur dann auf, wenn die AP kontrastiv ist, (2). Eine ähnliche Asymmetrie kann in der Einsatzbarkeit des Elements kva ‚was‘ in der unteren CP in Beispielen wie (1) und (3) beobachtet werden. Mein Vortrag zeigt, dass die Einsatzbarkeit des Operators in (1) durch zwei unabhängige Faktoren verhindert wird. Einerseits gibt es keine Notwendigkeit, eine nichtkontrastive AP overt zu realisieren. Andererseits wird die untere CP in Vergleichkonstruktionen nur semantisch bedingt generiert, und zwar wenn der Maximalitätsoperator nicht vom Gradelement im Matrixsatz, sondern vom oberen C-Kopf lexikalisiert wird. Dies ist in Komparativen immer der Fall, während Äquative diesbezüglich Unterschiede aufweisen (vgl. Hohaus & Zimmermann 2014). Im Gegensatz zum Englischen wird der Maximalitätsoperator in norwegischen Äquativen durch lexikalisiert, und der Komparativoperator kann sich zum Spezifikator der CP bewegen, in deren Kopf som sitzt. Ein overter Operator ist dadurch redundant und wird nur durch eine kontrastive AP legitimiert: In diesem Fall gibt es zwei CP-Schichten, da die Einsetzung des Operators das Komparativmerkmal im C-Kopf deaktiviert.

Literatur
Bacskai-Atkari, Julia (2016) Towards a cross-linguistic typology of marking polarity in embedded degree clauses. Acta Linguistica Hungarica 63.4.
Hohaus, Vera & Malte Zimmermann (2014) Equatives outside the domain of degree constructions. Vortrag auf: Linguistic Evidence 2014, Tübingen, Universität Tübingen, 13–15 Februar 2014.